Nachdem ich mich schon in den ersten Teil von Kingdom Come Deliverance verliebt hatte, habe ich mir beim zweiten Teil tatsächlich keine Sorgen gemacht, ob er gut wird oder nicht. Dass mich Kingdom Come Deliverance 2 allerdings derart vom Hocker hauen würde, habe ich auch nicht erwartet. Ich habe bereits etliche Spielstunden in das Spiel gesteckt und möchte euch nun verraten, warum es für mich bereits jetzt ein würdiger Game of the Year Contender ist.
In Kingdom Come Deliverance 2 schlüpft man direkt wieder in die Rolle von Heinrich dem Protagonisten vom ersten Teil. Die Geschichte schließt praktisch nahtlos an die Geschehnisse des Erstlings an. Gemeinsam mit Herrn Capon, der Spielern des ersten Teiles ein Begriff sein sollte, seid ihr auf wichtiger Mission unterwegs. Bei einer Rast fällt die gesamte Unternehmung allerdings gehörig ins Wasser. Eure Begleiter werden getötet und ihr schwer verletzt.
So spannt Warhorse Studios also den Bogen, um Heinrich wieder auf den Boden der Tatsachen zu befördern. Wart ihr doch zum Ende des ersten Teiles schon recht mächtig, so müsst ihr nun erstmal wieder das Kämpfen lernen. Auch andere Fähigkeiten scheint ihr durch Eure Verletzung verlernt zu haben und so bleibt euch nichts anderes übrig, als euch mühsam alles wieder von neuem beizubringen. Einen kleinen Vorteil habt ihr dennoch zum Vorgänger, ihr könnt von Beginn an lesen.
Nach Abschluss der Einleitungsmissionen seid ihr im Spiel recht schnell auf euch allein gestellt. Natürlich könntet Ihr jetzt einfach Stumpf die Hauptstory durchspielen, dabei würden euch allerdings etliche wirklich gute Nebenmissionen entgehen.
Was die Immersion betrifft, hat Warhorse Studios es geschafft, richtig zu glänzen. Die Spielwelt ist wunderschön gestaltet, Wälder sind dicht und beinahe unberührt, sodass man sich darin ohne Himmelsrichtungen wirklich verlaufen könnte. Jeder Bewohner der Spielwelt verfolgt seinen eigenen Tagesablauf. Es hat nicht lange gedauert, bis ich mir praktisch vor jedem Gespräch mit einer Person erst einmal das Gesicht gewaschen habe, man möchte ja den eigenen Ruf nicht schädigen. So zieht man nun durch die Welt von Kingdom Come Deliverance 2, hilft hier einem Jäger gegen Wilderer, kümmert sich um einen Einsiedler und wenn einem der ganze Trubel zu viel ist, dann setzt man sich zur Entspannung in eine Schenke an den Würfeltisch oder schmiedet das zigtausendste Schwert. Ehe ich mich versah, hatte ich weit über 30 Spielstunden auf dem Tacho und gerade einmal 3-4 Hauptmissionen erledigt. Immersion und Unterhaltung hat Warhorse Studios wirklich verstanden. Es ist lange her, dass mich ein Spiel und seine Spielwelt derart in den Bann gezogen hat.
Aber nicht nur die Spielwelt und ihre Geschichte konnten mich vollkommen überzeugen, auch in Sachen Gameplay hat sich etwas getan. Wer den ersten Teil gespielt hat weiß, hier wartet nicht das nächste 0815 Rollenspiel, in dem man nach 5 Stunden farmen der übermächtige Obermacker ist. Auch nach etlichen Spielstunden kann es noch passieren, dass ein einfacher Banditenüberfall dazu führt, dass man ins Gras beißt. Um dem Vorzubeugen könnt Ihr unterschiedlichste Waffenarten, auch neue wie zum Beispiel Stangenwaffen, zur Verteidigung nutzen.
Ich hatte allgemein das Gefühl, dass der doch recht gewöhnungsbedürftige Kampf etwas flüssiger von der Hand geht, als noch im ersten Teil. Habt ihr euch von ein paar Meistern einige Kniffe beibringen lassen, so ähnelt der Schwertkampf nach einiger Zeit eher einer Art Tanz als wildem Metal auf Metal geschlage.
Braucht ihr in euren Auseinandersetzungen etwas Unterstützung, so könnt ihr euch immer auf Euren Hund verlassen. Habt Ihr ihn im Spiel freigeschaltet, so habt ihr einen stetigen Begleiter, der nicht nur Fährten erschnüffeln, sondern auch im Kampf ganz tauglich sein kann. Vorausgesetzt, er bekommt regelmäßig Streicheleinheiten und etwas zu Futtern. Nach einiger Zeit hat es sich für mich eingebürgert, mich nach jedem Schlaf zuallererst um den Hund zu kümmern. Ist der Hund glücklich, ist Heinrich glücklich.
Neben dem Kampf gibt es aber auch sonst noch Recht viel zu tun, die Alchemie an sich ist natürlich, wie schon im ersten Teil ein absoluter Vollzeitjob. Kessel darf nicht zu heiß sein, Umdrehungen der Sanduhr mitzählen und und und. Ähnliches gilt auch für das schmieden. Das einzige, was sich etwas frickelig anfühlt ist das Schlösser knacken. Oft zerbricht ein Dietrich zu schnell, bevor man auch nur die Chance hat, die Schlossvorrichtung etwas weiter zudrehen. Das Schlösser knacken war im ersten Teil allerdings auch schon etwas schwieriger.
Technisch ist Kingdom Come Deliverance 2 leider auch nicht ohne Mängel. Hier und da werden Texturen nachgeladen. Manchmal sieht es etwas matschig aus, bei einer so detailgetreuen Spielwelt kann man hier und da schonmal etwas übersehen. Ich hatte in meinem eigenen Spielablauf keine Gamebreaking Probleme. Lediglich von einem lustigen Bug kann ich berichten. Als ich einnmal rückwärts gelaufen bin und kurz darauf meinen Hund Köter gestreichelt habe, habe ich mich rasant automatisch weit nach hinten teleportiert. Dies konnte ich dann so oft wiederholen, wie ich wollte.
Fazit
Alles in allem ist Kingdom Come Deliverance 2 ein grandioses Spielerlebnis geworden. Ich konnte mich sehr schnell in die Spielwelt hineinfühlen, was dazu führte, dass die Zeit nur so ins Land strich. Heinrich ist ein glaubwürdiger Hauptcharakter, dessen Entwicklung man sehr gut nachvollziehen kann, der aber auch nur eine Schachfigur im gesamten Konzept der Spielwelt ist und das fühlt sich wirklich toll an. Man ist nie diese krasse Ein-Mann Armee, sondern muss immer darauf achten, was man wie macht und wie die NPCs in der Welt auf das eigene Handeln reagieren.
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